Von Juristen im Allgemeinen

Der von mir sehr geschätzte Philosoph Dushan Wegner hat in seinem Blog vom 18.01.2019 in einem "Exkurs: von Juristen" etwas sehr Interessantes gesagt, das ich hier wörtlich zitieren möchte:

"Ich habe in Gesprächen und in anderer Kommunikation mit Juristen eine interessante Erfahrung gemacht, zumindest wenn es um politische, gesellschaftliche und philosophische Themen geht; Juristen als Gesprächspartner fielen stets in eine von zwei Kategorien: die einen waren gut informiert und belesen jenseits ihres Fachgebiets, sie verstanden die Schnittstellen von Juristerei und Realität (und die Unterschiede!), und gerade von denen, welche die Grenzen ihres Fachs kennen, lernt man dazu – und dann gibt es in meiner Erfahrung die anderen, die zwar gelernt haben, durchaus erfolgreich innerhalb ihres Systems zu manövrieren, deren Reflexion politischer Ereignisse, gesellschaftlicher Realität und menschlicher Seele jedoch auf erschreckende und zugleich langweilige Art unterkomplex ist.

Diese zweite Art von Juristen ist es wahrscheinlich gewohnt, juristische Debatten zu »gewinnen«, indem sie
1. die Autorität etablierter Denkansätze nutzt, und,
2. den Gegner mit Schriftstücken und anderer Arbeit lähmt.

Wenn ich einen Juristen kennenlerne (oder neu von ihm höre), frage ich mich stets, in welche von beiden Kategorien ich ihn wohl einordnen würde; und nicht immer habe ich gleich eine Antwort; oft warte ich erst einmal ab. Ende des Exkurses." [Hervorhebungen von mir]

Dem möchte ich hinzufügen: Die zweite Kategorie nenne ich seit vielen Jahren die "Rollenspieler" - sie sind das, was man gemeinhin 'typische' Richter, Staatsanwälte oder Rechtsanwälte nennt. Sie spielen ausschließlich die Rolle, von der sie denken, dass sie ihr Berufsbild zu prägen hat. Diese Einstellung hat viel mit vorauseilendem Gehorsam zu tun. Einige dieser Rollenspieler sind privat 'ganz anders' - sie sitzen quasi zwischen den Wegner'schen Juristen-Kategorien. Wenn ich einen solchen Juristen treffe, frage ich mich immer, was schlimmer ist: wissen zu können, dass es anders ginge, oder die Alternative gar nicht erkennen zu können.

Heute (29.01.2019) lese ich im Blog von Dushan Wegner "Kein Mensch kann alles überblicken, auch Juristen nicht, und wenn Juristen sich für Philosophen halten, wird es wacklig, denn sie haben unter Umständen das juristische Handwerkzeug, ihren begrifflichen Irrtum zu Recht und Gesetz zu machen." Dazu fällt mir spontan ein, was Prof. Dr. Hans-Wolfgang Strätz am 16.10.1978 in der Einführungsveranstaltung zum Jura-Studium an der Universität Konstanz gesagt hatte: "Wir geben Ihnen eine gefährliche Waffe in die Hand. Bitte missbrauchen Sie sie nicht!" Danach richte ich mich heute noch - jedenfalls versuche ich es. Leider gibt es genügend Juristen, die das nicht tun - und darauf sogar noch stolz sind.